Mahlzeit!
Sonntag, 30. März 2008 von Ariane
Jetzt hat sie mich erwischt, die Sprachaversion. So sehr, dass ich sogar schon von ihr träume. Und wenn ich es jetzt gleich hier hinschreibe, diesen Pfui-Teufel-Ausdruck, dann bekomme ich sicher gleich wieder eine Gänsehaut. … “Mahlzeit!” … Brrrrrrrr, da ist sie, am Arm, die Haut. Wer mittags über deutsche Büroflure wandelt, der kommt sicher nicht umhin, einem “Mahlzeit!” ausgesetzt zu sein. Wie ich höre, ist Siemens in München da unter Studenten ganz besonders berüchtigt und Spitzenreiter in Sachen Aversion.
“Maaahlzeit!” Obwohl ein Gruß zur Mittagszeit unter Kollegen, klingt es doch eher, als habe man den Angetroffenen mit seiner bloßen Anwesenheit bei irgendetwas gestört. Etwa beim sinnieren über die Menü-Auswahl. “Maaahlzeit” klingt, als habe der Kollege schon gegessen und als habe es ihm gar grauenhaft gemundet. Genaugenommen ist es gar nicht mal der Klang des sonoren “Maaaahlzeit!”, der meine Gänsehaut hervorruft. Vielmehr ist es die Assoziation, die vor meinem Inneren Auge entsteht. “Maaahlzeit!” klingt, als blöke eine Kuh. Nun mag ich Kühe sehr gerne, vor allem wegen ihrer langen Wimpern. Aber das Zerrbild einer Kuh, die widerkäuend auf der Wiese steht, vermengt mit dem Eindruck, wie das Essen wohl geschmeckt haben mag, verdirbt mir einerseits den Appetit und lässt mich andererseits den Rinderbraten in der Kantine mit anderen Augen sehen.
Dabei gibt es doch so viele so schöne so andere Worte, um sich zu grüßen (wenn man sich denn schon ständig grüßen muss, man könnte ja auch einfach schweigen). “Juten Tach!” etwa, oder ganz simpel “Hallo!”. Und selbst das harte “Grüß Gott” hat da noch mehr Reiz. Man könnte auch sagen: “Na, wie geht’s denn so?” oder, wenn es schon etwas mit Essen zu tun haben muss: “Guten Appetit.”
Gänzlich irritiert hat mich nun gestern mein Besuch in der Notfallambulanz. Beim Kochen mit dem super-duper-extra-scharfen Messer hatte ich mir dieses derart in den Finger gehackt, dass ich die Blutung nicht mehr stillen konnte. Das war abends um 18 Uhr. Als ich schließlich tropfend in der Klinik ankam, empfing mich einer der Ärzte, der da müden Auges über den Flur schlurfte (und im Schichtsystem offenbar den tageszeitlichen Überblick verloren hatte) mit: Na??? Preisfrage? Genau: Einem entsetzlich lang dahingestöhnten “Maaaahlzeit”.
Mit Blick auf meinen Finger war das auf seine Art auch wieder der passende Kommentar.