Blinder Passagier an Bord eines Germanwings-Fluges
Mittwoch, 27. Februar 2008 von Ariane
Flug Berlin - München, Germanwings:
Am Security-Check-in habe ich meine Schuhe ausgezogen, meinen Gürtel, meine Tasche durchwühlen lassen. Ein anderer Passagier hat seine diversen Fläschchen vor dem Personal ausgebreitet und anschließend ordentlich in einem durchsichtigen Plastiksäckchen verstaut. Wir wurden betastet, durchleuchtet, beäugt.
Unser Flug wird aufgerufen. Erst die Damen und Herren mit den Nummern 1 bis 30, dann der Rest. Ich gehöre zum Rest.
Im Flieger suche ich meinen Platz, die Kabine ist auf den letzten Sitz belegt. Drei Reihen weiter vorne greint ein Baby, fünf Reihen hinter mir streitet sich eine Frau mit ihrem Mann.
Die Maschine startet ohne Verspätung, ich lehne meinen Kopf an die Kabinenwand, den Blick aus dem Flieger genieße ich nur kurz, dann falle ich in einen wenig erholsamen Halbschlaf. Als der Sinkflug nach München beginnt, meldet sich erstmals einer der Piloten. Das Wetter in München sei schön, wir würden früher landen, weil wir Rückenwind hätten.
Eine junge Frau vor mir springt auf, wedelt mit ihrem Bordkarten-Sitzplatz-Schnipsel der Stewardess zu und sagt weinend in gebrochenem Deutsch: “Ich will aber nach Moskau!”
Ich denke mir: ach du weh, die Arme, jetzt muss sie so einen Umweg machen.
Dann denke ich mir: Sie hat ja offenbar für einen Flug nach Moskau eingecheckt, weil sie ja mit der Bordkarte wie mit einem Beweisstück gewunken hat. Ergo sitze ich mit einer Frau an Bord, die eigentlich gar nicht auf meinen Flug gebucht ist. Ergo haben die Stewardessen entweder gar nicht die Passagierzahl nachgezählt, wie das sonst vor dem Abflug üblich ist, oder sie haben sich verzählt. In beiden Fällen aber sitzt mit mir jemand an Bord, der dort nicht hingehört. Damit das keiner falsch versteht: mir ist das prinzipiell erstmal egal, wer mit mir über den Wolken fliegt. Aber bei DEM Securiy-Aufwand nach 2001 dürfte das eigentlich nicht passieren.
Viel schlimmer aber ist, dass vermutlich der Moskauer Flieger mit einem Passagier weniger gestartet sein dürfte. Und einem Gepäckstück mehr, falls die Gepäckeinräumer ebenfalls nicht ordentlich gezählt haben.
Offenbar ist es also einigermaßen problemlos möglich, als blinder Passagier an Bord einer Germanwings-Maschine zu gelangen, bzw. ein verwaistes Gepäckstück im Bauch des Fliegers mitzunehmen.
Na dann, für alle Pessimisten und Schwarzmaler unter uns: prost Terrorismus…