Es gibt sie also doch, die guten Ärzte. Nachdem ich mich kürzlich über meinen Hausarzt und meinen Orthopäden ausgelassen habe, muss ich jetzt meine Augenärztin hochleben lassen (obwohl ich im Moment nur aus einem Auge gucken kann): Rot wie eine Tomate sah mein linkes Auge gegen 17 Uhr aus und tat weh. Also flitzte ich zum nächstbesten Augenarzt. Die Dame in Weiß stand schon mit Tasche und Jacke in der Hand da, und ihr (ich mutmaße) Mann und Sohn warteten bereits, als ich hereinstürzte und dummdreist die Sprechstundenhilfe fragte: “Haben Sie noch offen?” Und die (an die Ärztin gewendet): “Haben wir noch für ein rotes Auge offen?”
Da kam die Ärztin zu mir, guckte in mein Tomatenauge, und nickte. Die Sprechstundenhilfe zu mir: “Haben Sie alles da?” “Ja, natürlich”, sagte ich und kramte schon zehn Euro und die Krankenkassenkarte hervor, als mir der fürchterliche Gedanke kam, sie könne eine Überweisung von meinem Hausarzt gemeint haben. Aber nein, kaum zu fassen, ganz unkompliziert, durfte ich doch tatsächlich einfach zehn Euro zahlen – und bekam die Überweisung zum Hausarzt ungefragt gleich dazu (falls ich in dem Quartal nochmal krank werden sollte).
Jetzt weiß ich, dass es eine Bindehautentzündung ist und tropfe alle zwei Stunden mein Medikament in das Tomatenauge. Vom “Haben Sie noch offen?” bis zum rausgehen hat’s übrigens 15 Minuten gedauert. Danke, meine liebe Augenärztin, vielen Dank. Mein angeknackstes Ärztebild ist wieder geradegerückt!