Bisher war ich der festen Überzeugung, dass Rom die schönste Stadt der Welt ist. Jetzt hege ich arge Zweifel: Im November war ich mit meiner Mutter anlässlich ihres Geburtstages für ein paar Tage in Istanbul… mei, is des a schöne Stadt!

Ein Flug mit Hindernissen : Berlin-München-Istanbul. Eigentlich hätte ich gemütlich in München von meinem Berliner Flieger zum Anschlussvogel nach Istanbul schlendern können. Weil die liebe Lufthansa allerdings ganze 40 Minuten länger als geplant vom Gate in Berlin zum Gate in München brauchte, war mit schlendern nix. Ich joggte. Vor mir eine Flughafen-Bedienstete, die mich und andere Fluggäste freundlicherweise von der Berliner Maschine in München abgeholt hatte… 15 Minuten nach Touch-down brauste ich dann wieder zum Take-off über die Startbahn.
War ja klar, dass mein Koffer erstmal in München blieb. Das wussten die Istanbuler Lost&Found-Mitarbeiter bereits, als ich
am Förderband stand, und hatten mir bereits eine persönliche Nachricht geschrieben. Nett, gell? Nur verstanden habe ich sie nicht gleich: Da zirkelte ein grell-pinker Koffer auf dem Gepäck-Abhol-Band, als wir ankamen. So pink war das Pink, dass ich fast geblendet war – und deswegen vielleicht den Koffer nicht genauer ansah. Als mein Blick schließlich doch auf ihn fiel, sah ich ein Schild, das an seiner Oberseite angebracht war. Darauf stand: Bitte beim Lost&Found melden – Mrs. Ari…, Mr. xyz. Ich meldete, gab Informationen an und bekam meinen Koffer etwa 14 Stunden nach Ankunft ins Hotel geliefert.
Klassisches Sightseeing:
Schwer beeindruckt haben mich die Sultan-Ahment-Moschee (= Blaue Moschee / Sultanahmet Camii) und die Hagia Sophia (Ayasofya). Letzte war im 6. Jahrhundert ursprünglich als Kirche gebaut worden und ist heute ein Museum. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Sultan Ahmet I. die nach ihm benannte Moschee direkt gegenüber bauen. Steingewordener Wettstreit der Religionen quasi.
Blaue Moschee:
Im Inneren ist „die Blaue“ mit unzähligen Kacheln geschmückt – Quizzfage: welcher Farbe wohl? Nach Schweißfüßen riecht es laut eigener Leidenserfahrung eines Freundes offenbar nur im Sommer. Im November, als ich dort war, war die Luft rein.
TIPP: Anfangs hatte ich mir ein Kopftuch übergestüplt. Das ist allerdings überflüssig. Denn wie ich jetzt weiß, tragen das nur gläubige Musliminnen (und Touristen wie ich, die’s nicht besser wissen).



Hagia Sophia
Viiiiele Touristen (und das im November!!!). Aber: Auch viiiiel Platz für alle. Für mich ein unvergessliches Erlebnis: Im Eingangsbereich der Hagia Sophia zwischen den Fragmenten des Vorgängerbaus zu stehen und den Muezzinen zu lauschen. Ein herrliches Kurzkonzert, schön und ergreifend.





Bosporus:
Eine Schifffahrt, die ist lustig… und unvergesslich. Auch mit hunderten anderer Touristen an Bord. Vom Goldenen Horn aus sind wir Richtung Schwarzes Meer gefahren. An Bord: Ein Wirrwar aus Sprachen. Türkisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Deutsch, Französisch. Und wehe, auf einer Seite kommt eine besondere Sehenswürdigkeit ins Blickfeld… Ich betrete Schiffe ja ohnehin nur höchst widerwillig… und wenn sie sich dann auch noch sichtbar zur Seite neigen, weil fast alle Touristen mit ihren Kameras auf eine Seite stürzen… – während ich mich auf der anderen an das Geländer klammere und der festen Überzeugung bin, dass mein Gewicht das Boot vorm Kentern rettet…
Zweieinhalb Stunden tuckerten wir dahin, und noch immer türmten sich auf der europäischen Seite die Häuser Normalsterblicher – während auf der asiatischen die Villen der Superreichen interessante Einblicke gewährten.










Taksim-Platz…
…Der größte Platz in Istanbul, am Ende der laaaaangen Fußgängerpassage mit hunderten von Geschäften. Menschen, Autos, Hupen, Busse, Straßenbahnen, Hochhäuser – Metropole pur.


Der Große Bazaar
…also eigentlich tausende kleine Geschäftchen mit teurem Schmuck, Leder, Kleidung usw.

Istanbul bei Nacht
Unter der Galatabrücke reihen sich auf der einen Seite Bars und Kneipen aneinander, aus denen türkische Live-Musik schallt. Auf der anderen buhlen Kellner in allen möglichen Sprachen um die hungrigen Mägen. Auch um unsere Mägen haben sie gebuhlt. Fisch gab’s, lecker, aber zum happigen Preis. Aber der Blick auf die angeleuchteten Stadtteile beiderseits des Goldenen Horns und die asiatische Seite ist unvergesslich.



Süleymaniye-Moschee
Für mich die schönste der großen Moscheen. Die Süleymaniye liegt inmitten eines Wohn-, Industrie- und Handelsviertels. Mehrere Eingänge führen in den umgebenden Park – wir haben den gefunden, der an Dixiklos vorbei und über eine schlammige Wiese führt…


Topkapi-Palast
Palast? Irrgarten! Fünf Höfe mit Gebäuden, die jeweils eigene Höfe haben… Über Jahrhunderte hatten Sultane hier ihren Sitz, haben regiert, Recht gesprochen, gegessen, und mit vielen Frauen geschlafen. Eindrucksvolles Zeugnis: Der Harem. Viele Zimmer, noch mehr Fluchten, königliche Pracht.




Yerebatan Sarnici…
…ist eine Zisterne aus dem 6. Jahrhundert. Insgesamt 336 jeweils acht Meter hohe Säulen tragen das Gewölbe. Im Vergleich zu den anderen Sehenswürdigkeiten kommen relativ wenige Touristen in die Unterwelt – ätsch, mehr Platz für uns
Zur Attraktion in der Attraktion zählen zwei antike Medusenköpfe, die auf den Kopf gestellt als Basen für zwei der Säulen dienen.


Eine sehr richtige Feststellung. Vielen dank für schöne Bilder..