Mein persönliches Hausarztmodell
Dienstag, 18. Dezember 2007 von Ariane
Jetzt ist es auch mir passiert. So ein Mist. 25 Jahre bin ich alt, weiblich, kerngesund und gesetzlich kassenversichert. Auf die Gesundheitsreform habe ich bisher nicht geschimpft. Auch nicht auf die Unterschiede, die beim Arztbesuch gelegentlich zwischen Kassen- und Privatpatienten zu beobachten sind, nicht auf das Hausarztmodell und nicht auf ein West-Ost-Gefälle in unserer Republik (ich habe bis Herbst 2006 in München gelebt, wohne seither in einer 70000-Einwohner-Stadt in Mecklenburg-Vorpommern). Jetzt schimpfe ich umso lauter.
Angefangen hat es beim Badminton, als es in meinem rechten Knie hörbar krachte. Klare Sache, dachte ich: Da werde ich wohl zum Orthopäden gehen müssen. Aber mein Hausarzt war anderer Meinung, ruckelte ein wenig an meinem Bein, stellte fest, dass das rechte wärmer ist als das linke, und riet mir, es zu schonen. Ich sagte, dass sich die Haut an Schienbein und Fuß taub anfühle und meine Zehen ganz kalt seien. Das ignorierte mein Arzt. Wiederkommen solle ich erst, wenn’s in drei Wochen nicht besser sei. Dann müsse er eine Arthroskopie machen. Laienhaft ausgedrückt heißt das: aufschneiden. Anders könne man nämlich nicht ins Knie hineinsehen. Bis dahin könne ich ja ein Schmerzgel drauf schmieren.
Zweieinhalb Wochen später (ich hatte gesalbt und geschont) wachte ich nachts auf, weil das Knie höllisch schmerzte. Am nächsten Morgen rief ich beim Orthopäden an und bat die Sprechstundenhilfe um einen kurzfristigen Termin (die 10 Euro ohne Überweisung hätte ich ja gerne gezahlt). Nein, den könne sie mir nicht geben. Da müsse mich schon der Hausarzt überweisen. Also rief ich bei diesem an und bat die Dame am Telefon um eine Überweisung zum Orthopäden: nein, das könne sie nicht machen, da müsse ich schon nochmal vorbeikommen und beim Herrn Doktor vorsprechen. Ich sagte ihr, dass ich vor Schmerzen Tränen in den Augen hätte und wirklich, echt und ungelogen akute Schmerzen hätte und, bei allem Vertrauen in die Befähigung des Hausarztes, doch wirklich gerne einen Fachmann auf das Knie schauen lassen würde. Nein, nichts zu machen, ich müsste nochmal in die Sprechstunde.
Also ging ich zum Hausarzt. Nach einiger Zeit, während der ich im Wartezimmer gesessen hatte, rief mich die Schwester zu sich und gab mir eine Überweisung zum Orthopäden. Die habe sie ihrem Herrn Arzt eben “untergejubelt”.
Ich humpelte zum Orthopäden. Dort empfing mich die Sprechstundenhilfe mit: “Ja, also im März hätte ich da wieder was frei.” Akuter Notfall? Nein, also zur Zeit könne sie da wirklich nichts machen. Ich sagte, dann ginge ich jetzt in Krankenhaus (die Stadt hat nur ein Krankenhaus). Darauf sie: “Da nimmt man nur wirkliche Notfälle an. Hatten Sie gerade einen Unfall?” “Nein”, sagte ich, ehrlich wie ich bin, “vor zweieinhalb Wochen”. Und sie: “Dann nimmt man sie dort nicht auf. Aber probieren Sie’s doch mal bei dem anderen Orthopäden im Haus.” Machte ich. Fehlanzeige. Hinweis: Ich solle mir eine Überweisung zum Chirurgen holen.
Zurück beim Hausarzt wartete ich wieder. Dann untersuchte der mich, indem er wieder etwas an meinem Bein herumruckelte. Er stellte fest, dass das rechte Knie geschwollen, aber gut durchblutet sei, und gab mir eine Überweisung zum Chirurgen. Dort angekommen, sagte man mir: “Es ist zwölf Uhr, wir machen jetzt zu. Um drei Uhr können Sie wiederkommen.”
Um 16 Uhr wurde das Knie geröntgt, obwohl ich sagte, dass ich das unnötig fände. Der Chirurg sagte mir um 17 Uhr, dass nichts gebrochen sei. Ich solle ein MRT machen lassen, eine Magnet-Resonaz-Tomographie. Einen Termin würde ich aber frühestens nächste Woche bekommen. Bis dahin solle ich Schmerztabletten schlucken.
- Sprachlos? Ich auch.
[...] 10. Januar 2008 von Ariane Es gibt sie also doch, die guten Ärzte. Nachdem ich mich kürzlich über meinen Hausarzt und meinen Orthopäden ausgelassen habe, muss ich jetzt meine Augenärztin hochleben lassen (obwohl ich im Moment nur aus einem gucken [...]