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Beim Durchstöbern meiner Fotos bin ich gerade auf ein Bild gestoßen, das ich keinem Radfernwanderer vorenthalten möchte. Es ist ein wunderbares Zeugnis, was die Norweger unter “internationalem Fernradweg” verstehen. Man beachte neben der hervorragenden Wegbeschaffenheit auch die aussagekräftige und doppelte Beschilderung nach Rygge:

Ostsee-Fernradweg in Südnorwegen

Ostsee-Fernradweg in Südnorwegen

In der Hamburger Speicherstadt hat kürzlich das Internationale Maritime Museum eröffnet: Beeindruckend! Aber verdammt anstrengend… Neun (!) Stockwerke plus Zwischengeschosse.

Wer sich für Schifffahrt und Seefahrt interessiert, für den ist das Museum vermutlich ein echtes Muss: Geschichte, Krieg, Waffen, Kreuzfahrten, Containerschiffe, Seeräuber, Uniformen, Kunst, historische Schiffe, Unterwasserwelt, Biologie - und eine Meeeeeenge an Schiffsmodellen. Das ganze ausgesprochen gut konzipiert, mit Liebe zum Detail inszeniert und schön anzusehen.

Die unglaubliche Vielfalt an Sammler- und Museumsobjekten hat übrigens ein einzelner Privatmensch zusammengetragen, der mit sechs Jahren sein erstes Modell geschenkt bekam.

Einziges Problem des Museums: Wer nicht gerade ein Schifffahrts-Fan ist und rein interessehalber mal durch die Museumsräume schlendert, der ist von der schier unübersichtlichen Menge an Ausstellungsstücken schlicht überfordert.

Netzfundstück

Bei Spiegel online habe ich eben eine kleine Meldung entdeckt, die die Reihe kurrioser amerikanischer Gesetze noch um ein besonders lustiges erweitert. Wer also demnächst vorhat durch Pennsylvania zu fahren, der sollte vorher im Baumarkt vorbeischauen und einen Do-it-yourself-Kfz-Kurs machen:

In der Meldung heißt es: “Nähert sich eine Herde Pferde einem Auto, ist der Fahrer angehalten, selbiges zu stoppen und mit einem Tuch zu verdecken, um die Tiere vor dem Scheuen zu bewahren. Der Überzug muss sich dabei farblich in die Landschaft einfügen.

Hilft das nicht, und die Pferde reagieren nervös auf das Fahrzeug, soll der Fahrer dieses demontieren und die Teile im nächsten Unterholz verstecken.”

ver.di gewinnt

Jetzt ist es also soweit…

Als ich gerade eine Adresse telefonisch durchgegeben habe, sagte ich zu der Marketing-Frau: “Der Mann wohnt in der Verdistraße 2.”

Darauf sie: “Wie?”

Ich: “In der Verdistraße. Wie der Komponist.”

Sie: “Wie der… hä? Also wie die Gewerkschaft?”

Ich: “Von mir aus.”

Sie: “Jetzt bin ich verwirrt.”

Hier also zur Erinnerung: Der Mann hieß Verdi, Guiseppe, ohne Punkt zwischen Ver und di, ohne rot-weiße Fahne, ohne Trillerpfeife und Plastiktüten-Outfit, dafür mit Musik.

Arachnophobe Kfz-Versicherung

Da saß sie. Ängstlich, mit angezogenen Beinen, acht an der Zahl, behaart zudem. Offensichtlich war der Regen Schuld, dass sie sich in die Ritze zwischen Autotür und Auto gezwängt hatte. Von mir aus hätte sie da gerne noch länger sitzen können, diese halb-Handtellergroße Spinne. Nur eben nicht in dem Moment, in dem ich mit dem Auto fahren muss.

Ich habe gepustet. Sie hat sich noch kleiner gemacht.

Ich habe sie mit einem Papier angestoßen. Sie hat ihre Beine ausgefahren, ich habe vor Schreck meinen Papierschnipsel fallen gelassen.

Ich habe sie mit meinem Sonnenbrillenbügel angekickt. Und was macht sie?? Statt wegzulaufen oder sich wenigstens einfach auf den Boden fallen zu lassen, verkriecht sie sich noch weiter in die Ritze zwischen Autotür und Auto, da, wo viele Angeln das Verstecken leicht machen.

Also musste ich sie mitnehmen. Ich konnte ja schlecht weitere zehn Minuten auf der Straße stehen und mit länglichen Gegenständen an meinem Auto herumwinken. Den linken Fuß, der am nächsten zur Tür ist, habe ich ganz weit nach rechts geschoben.

Und dann kam mir die Frage: Was, wenn sie jetzt ins Wageninnere gekrabbelt käme und mich erklömme. Das fand ich in dem Moment gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich regnete es nicht mehr nur, für die Spinne kam jetzt auch noch der Fahrtwind in der Ritze dazu… Und was, wenn ich dann, im Angesicht der Achtbeinerin, einen Unfall baute? Wäre ich da versichert? Ich meine, bin ich mit meiner Pkw-Haftpflichtversicherung auch gegen Spinnen versichert, die sich ungefragt während der Fahrt auf mich setzen?

- Arachnophob-klärende Antwort willkommen…

Podolski schach-matt

Ich hab heut was Herrliches gehört… Spricht für sich selbst, deshalb ohne weiteren Kommentar:

Lukas Podolski soll angeblich gesagt haben: “Fußball ist wie Schach - nur ohne Würfel”

Neue Waagen im Supermarkt

Sie lassen sich aber auch immer wieder was Neues einfallen, diese Supermarkt-Manager… Heute war’s die Waage in der Obst- und Gemüseabteilung. Bisher habe ich mir meine Möhren geholt, habe mir das Nümmerchen an der Preistafel gemerkt, bin zur Waage, hab die Möhren draufgelegt, auf die Taste mit dem entsprechenden Nümmerchen gedrückt und den Klebezettel in Empfang genommen. Fand ich prima.

JETZT hole ich meine Möhrchen, gehe zur Waage, stelle mich hinter drei Kunden an, warte, bis der erste einen Tobsuchtsanfall bekommen hat, warte weiter, bis der zweite wutschnaubend sein Gemüse an Ort und Stelle liegen lässt und geht, warte noch weiter, bis die Dame vor mir sich echauffiert hat, und bin - oha - an der Reihe. Dann lasse ich mir von einem eigens abgestellten Supermarkt-Waagen-Erklärer das Wunder der neuen Technik erklären, lege meine Möhrchen auf die Waage, lasse mich darauf hinweisen, dass ich das Drauflegen ganz falsch mache, weil meine Hand nicht über den Möhren schweben darf, weil dann die Technik nicht richtig arbeiten kann, sehe den Supermarkt-Waagen-Erklärer missbilligend an, und lege meine Möhren ein weiteres Mal auf die Waage.

Da, wo früher die Tasten mit den Nummern waren, glänzt jetzt ein Bildschirm. Mit Touchscreen. Nein, wie toll… Darüber neigt sich ein Stahlarm wie eine welke Blume. In der Blüte sitzt eine Kamera, sagt mir der Supermarkt-Waagen-Erklärer. Die schießt fix ein Foto von meinen Möhren und analysiert, welches Gemüse ich ihr wohl unter die Linse und auf die Waage gelegt habe. Keine fünf Sekunden später erscheinen auf dem Touchscreen mehrere Gemüse: Gurke, Zucchini, Apfel, Möhre, Bananen (von Firma A), Sellerie, Bananen (von Firma B). Wenn die Kamera meine nicht schnell genug aus ihrem unsichtbaren Analysestrahl fortgerissene Hand fotografiert, kommt unter anderem Wirsing raus.

Ich tippe auf die Möhrenabbildung. Dann erhalte ich den Klebezettel mit dem Preis.

Wahnsinnig praktisch, echt…

Mahlzeit!

Jetzt hat sie mich erwischt, die Sprachaversion. So sehr, dass ich sogar schon von ihr träume. Und wenn ich es jetzt gleich hier hinschreibe, diesen Pfui-Teufel-Ausdruck, dann bekomme ich sicher gleich wieder eine Gänsehaut. … “Mahlzeit!” … Brrrrrrrr, da ist sie, am Arm, die Haut. Wer mittags über deutsche Büroflure wandelt, der kommt sicher nicht umhin, einem “Mahlzeit!” ausgesetzt zu sein. Wie ich höre, ist Siemens in München da unter Studenten ganz besonders berüchtigt und Spitzenreiter in Sachen Aversion.

“Maaahlzeit!” Obwohl ein Gruß zur Mittagszeit unter Kollegen, klingt es doch eher, als habe man den Angetroffenen mit seiner bloßen Anwesenheit bei irgendetwas gestört. Etwa beim sinnieren über die Menü-Auswahl. “Maaahlzeit” klingt, als habe der Kollege schon gegessen und als habe es ihm gar grauenhaft gemundet. Genaugenommen ist es gar nicht mal der Klang des sonoren “Maaaahlzeit!”, der meine Gänsehaut hervorruft. Vielmehr ist es die Assoziation, die vor meinem Inneren Auge entsteht. “Maaahlzeit!” klingt, als blöke eine Kuh. Nun mag ich Kühe sehr gerne, vor allem wegen ihrer langen Wimpern. Aber das Zerrbild einer Kuh, die widerkäuend auf der Wiese steht, vermengt mit dem Eindruck, wie das Essen wohl geschmeckt haben mag, verdirbt mir einerseits den Appetit und lässt mich andererseits den Rinderbraten in der Kantine mit anderen Augen sehen.

Dabei gibt es doch so viele so schöne so andere Worte, um sich zu grüßen (wenn man sich denn schon ständig grüßen muss, man könnte ja auch einfach schweigen). “Juten Tach!” etwa, oder ganz simpel “Hallo!”. Und selbst das harte “Grüß Gott” hat da noch mehr Reiz. Man könnte auch sagen: “Na, wie geht’s denn so?” oder, wenn es schon etwas mit Essen zu tun haben muss: “Guten Appetit.”

Gänzlich irritiert hat mich nun gestern mein Besuch in der Notfallambulanz. Beim Kochen mit dem super-duper-extra-scharfen Messer hatte ich mir dieses derart in den Finger gehackt, dass ich die Blutung nicht mehr stillen konnte. Das war abends um 18 Uhr. Als ich schließlich tropfend in der Klinik ankam, empfing mich einer der Ärzte, der da müden Auges über den Flur schlurfte (und im Schichtsystem offenbar den tageszeitlichen Überblick verloren hatte) mit: Na??? Preisfrage? Genau: Einem entsetzlich lang dahingestöhnten “Maaaahlzeit”.

Mit Blick auf meinen Finger war das auf seine Art auch wieder der passende Kommentar.

Tugendhaftes Zeittotschlagen

Zeit totschlagen kann eine Tugend sein. Heute war ich ganz besonders tugendhaft. Das Internet, der Fundus der tugendhaften Zeittotschläger, hat mir heute gleich mehrere unglaubliche Erkenntnisse bescheert:

  1. Eine Fahrt mit dem HVV vom Generalsviertel in Hamburg zur Speicherstadt kostet 2,60 Euro oder mit der Monatskarte 54 Euro.
  2. Per Fahrrad legt man für die gleiche Strecke ca. 4,5 Kilometer zurück.
  3. Ozzy Osborne hat der Fledermaus den Kopf doch nicht abgebissen, obwohl’s ein Video davon gibt. Das aber ist fake. Spiegel-online sucht das Nicht-fake.
  4. Die Mitbahnerei ist ein Flop, weil von der mecklenburgischen Provinz keiner nach Hamburg fahren will.
  5. Auf der Seite http://benzinpreis.de/statistik.phtml gibt es eine Benzinpreis-Vorhersage für die folgenden zwei Tage.
  6. Die Bahn bietet das Länder-Ticket jetzt auch als Single-Ticket an. Aber nur in Bayern und Niedersachsen.
  7. 808000 Schüler lernen derzeit Latein an deutschen Schulen.

Mein Gott, was bin ich heute wieder weise geworden…

Alles hat einen Sinn. Selbst YouTube. Dachte ich bisher immer, das Portal diene einzig dem Zweck zu erkennen, dass es erstaunlich viele Leute gibt, die noch viel irrer als man selbst sind, und man selbst ergo viel weniger verrückt ist, als man immer dachte, habe ich heute den wahren, wirklichen und einzigen Sinn von YouTube erkannt: YouTube, mein persönlicher Koch-Berater. Nicht Hessen-Koch, sondern Küchen-Koch.

Seit zwei Tagen habe ich mich erfolglos an einer indischen Süßigkeit namens Gulab Jamun versucht. Zu deutsch: in Sirup getränkte Milchbällchen, eine Leckereien-Schweinerei sondergleichen. Das Rezept hatte das Internet brav ausgespuckt, und welche Website ich auch anklickte, es war immer ein und dasselbe Rezept - das aber einfach nix werden wollte in meiner Küche.

Also habe ich ein letztes Mal verzweifelt gegoogelt, und da war sie, die indische Hausfrau, live und in Farbe auf dem Bildschirm in meiner Küche. Der Dame im Sari habe ich jetzt echte, gelungene, selbstgemachte, indische Gulab Jamuns in meinem Kühlschrank zu verdanken. Und, dass mir kotzübel vom Naschen ist…

YouTube sei dank!

Flug Berlin - München, Germanwings:

Am Security-Check-in habe ich meine Schuhe ausgezogen, meinen Gürtel, meine Tasche durchwühlen lassen. Ein anderer Passagier hat seine diversen Fläschchen vor dem Personal ausgebreitet und anschließend ordentlich in einem durchsichtigen Plastiksäckchen verstaut. Wir wurden betastet, durchleuchtet, beäugt.

Unser Flug wird aufgerufen. Erst die Damen und Herren mit den Nummern 1 bis 30, dann der Rest. Ich gehöre zum Rest.

Im Flieger suche ich meinen Platz, die Kabine ist auf den letzten Sitz belegt. Drei Reihen weiter vorne greint ein Baby, fünf Reihen hinter mir streitet sich eine Frau mit ihrem Mann.

Die Maschine startet ohne Verspätung, ich lehne meinen Kopf an die Kabinenwand, den Blick aus dem Flieger genieße ich nur kurz, dann falle ich in einen wenig erholsamen Halbschlaf. Als der Sinkflug nach München beginnt, meldet sich erstmals einer der Piloten. Das Wetter in München sei schön, wir würden früher landen, weil wir Rückenwind hätten.

Eine junge Frau vor mir springt auf, wedelt mit ihrem Bordkarten-Sitzplatz-Schnipsel der Stewardess zu und sagt weinend in gebrochenem Deutsch: “Ich will aber nach Moskau!”

Ich denke mir: ach du weh, die Arme, jetzt muss sie so einen Umweg machen.

Dann denke ich mir: Sie hat ja offenbar für einen Flug nach Moskau eingecheckt, weil sie ja mit der Bordkarte wie mit einem Beweisstück gewunken hat. Ergo sitze ich mit einer Frau an Bord, die eigentlich gar nicht auf meinen Flug gebucht ist. Ergo haben die Stewardessen entweder gar nicht die Passagierzahl nachgezählt, wie das sonst vor dem Abflug üblich ist, oder sie haben sich verzählt. In beiden Fällen aber sitzt mit mir jemand an Bord, der dort nicht hingehört. Damit das keiner falsch versteht: mir ist das prinzipiell erstmal egal, wer mit mir über den Wolken fliegt. Aber bei DEM Securiy-Aufwand nach 2001 dürfte das eigentlich nicht passieren.

Viel schlimmer aber ist, dass vermutlich der Moskauer Flieger mit einem Passagier weniger gestartet sein dürfte. Und einem Gepäckstück mehr, falls die Gepäckeinräumer ebenfalls nicht ordentlich gezählt haben.

Offenbar ist es also einigermaßen problemlos möglich, als blinder Passagier an Bord einer Germanwings-Maschine zu gelangen, bzw. ein verwaistes Gepäckstück im Bauch des Fliegers mitzunehmen.

Na dann, für alle Pessimisten und Schwarzmaler unter uns: prost Terrorismus…

Eine Woche mit der NPD

Ach ja… die NPD… wenn’s nicht so traurig wäre, dürfte man eigentlich nur über sie lachen (wie der NDR es satirisch vormacht).

In der vergangenen Woche habe ich die Herren Abgeordneten bei den Sitzungen des Mecklenburg-Vorpommerschen Landtages beobachten können. Hier also ein Eindruck, wie das so ist, wenn die demokratischen Parteien mit der NPD im gleichen Raum Politik machen sollen (aber nicht immer können):Im Schweriner Schloss sitzen an Einzeltischen sechs Nazis in Reih und Glied hintereinander, links von ihnen Wand und Fenster des Plenarsaales mit Blick auf den See, rechts von ihnen der breiteste Gang zwischen den Sitzreihen, den es in dem Raum gibt. Auf der anderen Seite sitzt die Fraktion der FDP. Dann folgen nach rechts die Blöcke von CDU, SPD und Die Linke.

Wenn nun ein NPDler das Wort erhält, grummeln die demokratischen Parteien einvernehmlich, und treibt es der Nazi-Verherrlicher gar zu wild am Mikrofon, kontert auch mal der ein oder andere demokratische Abgeordnete mit einem Zwischenruf. Sagt hingegen ein Abgeordneter von FDP, SPD, CDU oder Die Linke etwas, rufen meist alle NPDler durcheinander, schimpfen unflätig oder reden allerlei deutschtümelnden Mist, bis sie zur Ordnung gerufen werden (was ziemlich oft der Fall ist).

Es ist erstaunlich, wie viel Zeit die NPD dem Plenum raubt, während das seiner eigentliche Aufgabe - nämlich Politik zu gestalten - nicht nachkommen kann. Mal bedingen sich die Herren eine Sonder-Besprechungszeit aus, mal reizen sie die übrigen Abgeordneten, bis der Ältestenrat einberufen wird, mal machen sie auch einfach gar nichts, obwohl sie etwas hätten tun sollen (zum Beispiel am 30.1., dem Tag der Machtergreifung Hitlers, als die NPDler sitzen blieben und weiterschwatzten, während sich der Rest der Abgeordneten zu einer Schweigeminute für die Opfer der NS-Zeit erhob).

Ich frage mich, ob der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vor dem Einzug der sechs NPD-Abgeordneten 2006 mehr Politik zu Stande gebracht hat, als heute - einfach weil nicht soviel Zeit für zweifelhafte Anträge und Vorträge, für Zwischenrufe, Ordnungsrufe und Unterbrechungen wegen der Nazis draufging. Das wär doch echt mal interessant, empirisch zu untersuchen…

Und ich frage mich, ob die NPD-Wähler von 2006 eigentlich wissen, was sie da gewählt haben. Ich schätze ja mal, dass es gut 80 Prozent nicht wussten und nicht wissen. Sicher weiß ich, dass viele die Braunen gewählt haben, weil CDU und SPD sie nicht überzeugen konnten. Zitat aus einer Umfrage, die ich damals gemacht habe: “Also wissen Sie, ich habe immer SPD gewählt, aber der Schröder, der hat’s einfach nicht gebracht, und die Merkel ist auch nicht besser. Da dachte ich, ich wähle mal die NPD”.

Jetzt plärren die NPDler also durch die Hallen des alten Schlosses Worte wie “polnische Schmarotzer” und “deutscher Volkserhalt”, sie schwadronieren über die angebliche Versklavung der deutschen Bauern durch Gentechnik und verspotten damit lauthals die nationalsozialistische Sklaverei von Andersdenkenden und Andersgläubigen in Arbeitslagern, KZs und deutscher NS-Wirtschaft.

Ich kann jedem nur empfehlen, mal bei einer Landtagswoche in Mecklenburg-Vorpommern dabei zu sein. Für die demokratisch denkenden unter uns ist es ein höchst interessantes Schauspiel - für alle anderen ist es die Erkenntnis, dass die NPD die letzte Partei ist, die dem deutschen Vaterlande wirklich dient…

Seit dem 1.1. werden sie also gespeichert, meine (Internet-)Daten. Sechs Monate auf Vorrat, nur für den Fall, mir fiele plötzlich ein, dass ich doch lieber Terrorist sein möchte, als Otto-Normal-Bürger. Stichwort Vorratsdatenspeicherung - hier mal ein Eindruck, wie meine bevorrateten Daten zurzeit aussehen müssen:

1. Weil Scientology mal wieder in den Schlagzeilen herumgeisterte und ich bisher nur mit medial angeeignetem Halbwissen mitreden kann, dachte ich mir gestern: Na, dann schaue ich mir den Verein doch mal genauer an. Dazu besuchte ich logischerweise die Website der Sekte.

2. Weil ich demnächst für vier Tage die Sitzungen im Schweriner Landtag live verfolgen werde, dachte ich mir, ich bereite mich mal darauf vor. Ergo habe ich mich auf die Seiten der vertretenen Fraktionen geklickt - unter anderem auch die der NPD.

3. Weil ich mich schon länger mal intensiver mit dem Thema Recherche im Journalismus auseinander setzen wollte, habe ich mir das “Traingshandbuch Recherche” des “Netzwerk Recherche” (1. Auflage 2003) zu Gemüte geführt. Auf Seite 138 gibt es eine Internetlinksammlung. Unter anderem ist als “unverzichtbar für Rechercheure” die Virtual-Library-Adresse http://209.8.151.142/vlj.html angegeben. Was mache ich also? Klar, ich rufe mir die Seite auf. Ist aber leider keine virtuelle Bibliothek, sondern eine russische Pornoseite.

Na bravo: Mit den Augen des Vorratsdatenspeicher-Kriminal-Ermittlers bin ich jetzt also ein rechtradikaler Scientologe mit Kontakten zur russischen Sex-Mafia.

Ob mich das verdächtig macht???

2. Antwort von StudiVZ

Wie angekündigt, hier die Antwort von StudiVZ auf meine Rückfrage wegen der “Verarbeitung personenbezogener Daten”:

FRAGE

“Wenn ich der “Verarbeitung personenbezogener Daten” schriftlich widerspreche (…), betrifft das dann auch Punkt 7 der neuen Datenschutz-Erklärung?”

Antwort

“Ein gesonderter Widerspruch gegen Punkt 7 ist leider nicht möglich.

Der Text unter Punkt 7, d.h. die Möglichkeit des Widerspruches bezieht sich
auf die “Verarbeitung personenbezogener Daten” nicht auf die Weitergabe von Daten an Ermittlungs-, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden.

Wir sind dazu verpflichtet die Daten an ermittelnde Behörden zu geben wenn
eine Straftat vorliegt und uns eine direkte Anfrage der Behörde vorliegt. Dies
gilt natürlich nur wenn die Straftat im direkten Zusammenhang mit studiVZ
steht. (z.B. Verbreitung von Kinderpornographie, Morddrohungen o.ä.)

(…)

Viele Grüße vom studiVZ-Team”

So, jetzt wissen wir also ganz genau Bescheid. Entscheiden muss jeder selbst, wie er’s mit StudiVZ hält.

GDL droht mit Streiks wegen Stellenabbau

Die Deutsche Bahn hat Stellenabbau und höhere Preise für Bahnkunden angekündigt.

Und was macht die GDL laut ZDF-Mittagsmagazin? Na? Genau: Streik androhen.

Halleluja… nach dem Streik ist also vor dem Streik. Vorauszusehen war das ja.

Spiegel online sagte GDBA-Chef Dieter Hommel übrigens: “Ich bin empört über diese Äußerung, das haben wir so nicht erwartet.” Entschuldigung bitte??? Was hat Herr Hommel denn sonst erwartet, als Mehdorn nach der Einigung mit der GDL von “Konsequenzen” sprach? Neueinstellungen vielleicht?

Nochmal Thema Studi-VZ: Ich hatte per Email nachgefragt, welchen Punkten (es gibt sieben) der neuen Datenschutz-Erklärung (personalisierte Werbung) ich eigentlich widerspreche, wenn ich meine Häkchen aus den “Einstellungen zur Verwendung meiner Daten” entferne. Und ich wollte wissen, ob ich aus dem Netzwerk rausfliege, wenn ich schriftlich Widerspruch einlege.

Hier die Antworten:

FRAGE 1

“1. Mir ist nicht ganz klar, was ich genau mit den Einstellungen unter http://www.studivz.net/optout.php bewirke. Anders ausgedrückt: Welchen der Punkte 1 mit 7 der neuen Datenschutzerklärung widerspreche ich genau, wenn ich die Häkchen aus den “Einstellungen zur Verwendung meiner Daten” entferne? Oder noch anders ausgedrückt: Werden meine Daten auch weiterhin gespeichert, wenn ich die Häkchen entferne?”

Antwort

“Du kannst gegen Punkt 3,4,5 und 6 widersprechen. Deine Daten werden nach
Entfernung der Häkchen nicht verarbeitet.”

Anmerkung

Den Punkten 1, 2 und 7 kann man ergo nicht mit der Entfernung der Häkchen widersprechen.

“Nicht verarbeitet” ist schön, heißt aber eben auch, dass die Daten auch weiterhin gespeichert werden, nur eben nicht individuell werbewirksam aufbereitet.

FRAGE 2

“Unter Punkt 7 der Datenschutz-Erklärung steht: “Ich nehme zur Kenntnis,
dass ich die Möglichkeit habe, der vorstehenden Einwilligung in die Verarbeitung personenbezogener Daten jederzeit mit Wirkung für die Zukunft
ganz oder teilweise gegenüber studiVZ zu widersprechen.”
Wenn ich der “Verarbeitung personenbezogener Daten” widerspreche, kann ich studiVZ dann auch weiterhin nutzen oder bedeutet das die Sperrung des
Accounts?”

Anwort

“Du kannst studiVZ weiterhin nutzen :-)

Viele Grüße vom studiVZ-Team”

Anmerkung

Ich habe studiVZ jetzt nochmal eine E-Mail geschrieben mit der Frage, ob der schriftliche Widerspruch gegen die neue Datenschutz-Erklärung dann auch Punkt 7 beinhaltet (was beim Entfernen der Häkchen ja eben nicht der Fall ist). Die Antwort folgt.

Eigentlich ignoriere ich Massenmails ja… Aber wenn mal wirklich nützliche Tipps dabei sind, kann man ja ein Auge zudrücken:

Die Email stammt von der Innsbrucker Oberschwester Mary Pagitz zum Thema Schlaganfall. Darin beschreibt sie vier einfache Fragen, mit denen Dritte prüfen können, ob jemand eventuell einen Schlaganfall hat:

  1. Bitte die Person, zu lächeln (sie wird es nicht schaffen).
  2. Bitte die Person, einen ganz einfachen Satz zu sprechen (zum Beispiel: “Es ist heute sehr schön.”).
  3. Bitte die Person, beide Arme zu erheben (sie wird es nicht oder nur teilweise können).
  4. Bitte die Person, ihre Zunge heraus zu strecken (Wenn die Zunge gekrümmt ist, sich von einer Seite zur anderen windet, ist das ebenfalls ein Zeichen eines Schlaganfalls.)

Hintergrund der Mail ist wohl “ein wahres Ereignis:

Während gegrillt wurde, stolperte Ingrid und fiel hin. Man bot ihr an, einen Krankenwagen zu rufen, doch sie versicherte allen, dass sie OK war und sie nur wegen ihren neuen Schuhen über einen Stein gestolpert war.

(…) Ingrid verbrachte den Rest des Abends heiter und fröhlich. Ingrids Ehemann rief später an und ließ alle wissen, dass seine Frau ins Krankenhaus gebracht worden war. Um 23.00Uhr verstarb Ingrid.

Sie hatte beim Grillen einen Schlaganfall erlitten.

Hätten ihre Freunde gewusst, wie man die Zeichen eines Schlaganfalls deuten kann, könnte Ingrid heute noch leben. Manche Menschen sterben nicht sofort.”

Laut eines in der Mail zitierten Neurologen muss ein Schlaganfall innerhalb von drei Stunden erkannt und behandelt werden, damit keine Schäden bleiben.

Danke, liebe Augenärztin :-)

Es gibt sie also doch, die guten Ärzte. Nachdem ich mich kürzlich über meinen Hausarzt und meinen Orthopäden ausgelassen habe, muss ich jetzt meine Augenärztin hochleben lassen (obwohl ich im Moment nur aus einem Auge gucken kann): Rot wie eine Tomate sah mein linkes Auge gegen 17 Uhr aus und tat weh. Also flitzte ich zum nächstbesten Augenarzt. Die Dame in Weiß stand schon mit Tasche und Jacke in der Hand da, und ihr (ich mutmaße) Mann und Sohn warteten bereits, als ich hereinstürzte und dummdreist die Sprechstundenhilfe fragte: “Haben Sie noch offen?” Und die (an die Ärztin gewendet): “Haben wir noch für ein rotes Auge offen?”

Da kam die Ärztin zu mir, guckte in mein Tomatenauge, und nickte. Die Sprechstundenhilfe zu mir: “Haben Sie alles da?” “Ja, natürlich”, sagte ich und kramte schon zehn Euro und die Krankenkassenkarte hervor, als mir der fürchterliche Gedanke kam, sie könne eine Überweisung von meinem Hausarzt gemeint haben. Aber nein, kaum zu fassen, ganz unkompliziert, durfte ich doch tatsächlich einfach zehn Euro zahlen - und bekam die Überweisung zum Hausarzt ungefragt gleich dazu (falls ich in dem Quartal nochmal krank werden sollte).

Jetzt weiß ich, dass es eine Bindehautentzündung ist und tropfe alle zwei Stunden mein Medikament in das Tomatenauge. Vom “Haben Sie noch offen?” bis zum rausgehen hat’s übrigens 15 Minuten gedauert. Danke, meine liebe Augenärztin, vielen Dank. Mein angeknackstes Ärztebild ist wieder geradegerückt!

Tipp gegen verstopfte Ohren bei Erkältung

An alle Schniefnasen und Ohrverstopften: Wer trotz dicker Nase wieder was hören will, der sollte sich einen warmen Teebeutel aufs Öhrchen legen (in ein Tuch eingewickelt, versteht sich). Ist ein altes Hausmittel - ich kannte den Trick bisher nicht, hat aber soeben bestens funktioniert.
Getestet hab ich’s mit Pfefferminze. Kamille soll aber auch helfen. Wie’s mit Schwarztee, Roibosch, Minze oder Mischungen aussieht, weiß ich nicht - Erfahrungsberichte willkommen!

Studi-VZ: Personalisierte Werbung umgehen

Ab heute Mitternacht kann man sich nicht mehr beim Studi-VZ einloggen, wenn man den neuen Datenschutzbestimmungen nicht zugestimmt hat (ich vermute mal, dass deswegen auf der ersten Seite steht “Achtung! Aufgrund von wichtigen Serverarbeiten ist studiVZ heute Nacht von 0 bis 8 Uhr offline”)

Über dieses Geschäftsgebaren könnte ich mich maßlos aufregen, aber das steht erstmal auf einem anderen Blatt…

Freundlicherweise kann man sich aber gegen “Elektronische Werbemitteilungen” und “Personalisierte Werbung” verwehren - wenn man den Weg zum entsprechenden Formular kennt… Und der geht so:

Startseite

-> ganz nach unten scrollen und dort “Datenschutz” anklicken

-> “Datenschutz-Erklärung” anklicken

-> ganz nach unten scrollen und dort “Einstellung zur Verwendung meiner Daten” anklicken

-> Haken aus Kästchen entfernen, “Alle Änderungen speichern” nicht vergessen anzuklicken.

Der irische Dichter und Philosoph John O’Donohue ist tot. Einfach abends eingeschlafen und morgens nicht mehr aufgewacht. Im Frankreich-Urlaub, am 3. Januar. Mit 53.

Gestern Abend hat mir das meine Mutter gesagt. Und obwohl ich O’Donohue nur ein einziges Mal persönlich getroffen habe, schwirrt mir sein Bild seiter (auch im Traum) im Kopf herum. Und sein Lachen.

Es ist bestimmt acht Jahre her, dass ich es gehört habe.

Die neue BMW-Welt in München

München hat eine Attraktion mehr: das vermutlich sauberste und keimfreieste Autohaus Deutschlands. Wo auch immer ich heute in der BMW-Welt hinsah, polierten und schrubbten Damen und Herren Autos, Böden und Geländer. Zwischendrin trinken Besucher und Neuwagen-Abholer ein Käffchen, kaufen im Zubehör-Shop Fanartikel, bestaunen Das Lesen fortsetzen »

Deutsch-deutsches Sprachgewirr

Nicht genug, dass ich in Bayern mit preußischen Eltern leben musste und evangelisch getauft auf eine Münchner Klosterschule gegangen bin- jetzt fragten mich meine Münchner Freunde auch noch, wie ich es angesichts meines mangelnden Sprachschatzes geschafft hätte, in eben jener bayrischen Hauptstadt aufzuwachsen. Ich habe mir nämlich erlaubt in einem traditionellen Café am Viktualienmarkt zu fragen, was denn wohl ein Striezerl sei.

Jetzt weiß ich, was ein Striezerl ist. Aber ich dachte ja auch immer, ich wisse, was ein Krapfen ist. Seit ich in Neubrandenburg wohne, bin ich eines besseren belehrt. Wenn ich dort einen Krapfen bestelle, erhalte ich das, was ich unter einem Pfannkuchen verstehe. Um einen (bayrischen) Krapfen zu erhalten, muss ich einen Pfannkuchen bestellen. Aber unter einem Pfannkuchen verstehe ich das, was die Nordostdeutschen als Eierkuchen bezeichnen.

In nordostdeutschen Bäckereien bestelle ich jetzt nur noch mit: “Das da, bitte.”

Kuhmagen zu Silvester - Mahlzeit…

Kulinarische Internationalität hat ja durchaus ihren Reiz. Besonders gereizt hat meine Freunde und mich, am Silvesterabend ein chinesisches Fondue auszuprobieren. Nicht in der Kneipe um die Ecke, versteht sich, sondern authentisch, authentischer, am authentischsten beim Chinesen.

Das Prinzip ist einfach: Man werfe diverse Gemüse-, Fisch- und Fleischsorten in einen mit siedender Brühe gefüllten Fonduetopf, warte, fische alles wieder heraus und esse. Erkannt habe ich: Chinakohl, Zucchini, Riesengarnelen, Schinkenwurst, Glasnudeln, Fisch. Hingewiesen hat man uns auf: Rind, Lamm. Irritiert war ich von einem beige-gelblichen Zeug, das mich von der Konsistenz her an Oktopus erinnerte.

Als ich schließlich den freundlichen Kellner fragte, was er uns denn da aufgetischt habe, sagte er mit Akzent: “Kumahjen.” Ich sagte: “Äh, bitte nochmal.” Er sagte: “Kumahjen.” Ich sagte: “Entschuldigung, ich hab’s immer noch nicht verstanden.” Und er: “Magen von Kuh.” “Ah, oh”, sagte ich, bemüht höflich. Und als er weg war: “Brrrr…”

Ich hab den Pansen dann probiert: Schmeckt nach nix, ist zäh wie Gummi. Ich hab mich dann doch lieber an die Garnelen gehalten…

Istanbul

Bisher war ich der festen Überzeugung, dass Rom die schönste Stadt der Welt ist. Jetzt hege ich arge Zweifel: Im November war ich mit meiner Mutter anlässlich ihres Geburtstages für ein paar Tage in Istanbul… mei, is des a schöne Stadt!

stadt2.jpg

Ein Flug mit Hindernissen : Berlin-München-Istanbul. Eigentlich hätte ich gemütlich in München von meinem Berliner Flieger zum Anschlussvogel nach Istanbul schlendern können. Weil die liebe Lufthansa allerdings ganze 40 Minuten länger als geplant vom Gate in Berlin zum Gate in München brauchte, war mit schlendern nix. Ich joggte. Vor mir eine Flughafen-Bedienstete, die mich und andere Fluggäste freundlicherweise von der Berliner Maschine in München abgeholt hatte… 15 Minuten nach Touch-down brauste ich dann wieder zum Take-off über die Startbahn.

War ja klar, dass mein Koffer erstmal in München blieb. Das wussten die Istanbuler Lost&Found-Mitarbeiter bereits, als ich Das Lesen fortsetzen »

Ich habe ganz neue Einblicke in das Leben und Arbeiten des gemeinen Huhns gewonnen. Bisher haben mich Hühner nicht sonderlich interessiert. Sie gackern affektiert, scharren mit Vorfreude im Misthaufen und blicken einen mit schräg gelegtem Kopf vorwurfsvoll von unten an - so meine Vorstellung des glücklichen Eierlegers.

Neulich war Wochenmarkt in München. Meine Mutter gelüstete es nach dem Ei eines besonders glücklichen Huhns und schickte mich ergo, um Eier von affektiert gackernd im Misthaufen scharrenden Hühnern zu holen. Aber der Bauer sagte auf mein Verlangen hin: “Na, hören Sie mal, ich bin doch kein Sadist und schicke meine Hühner bei der Kälte nach draußen! Ich hab nur Eier aus Bodenhaltung.”

Also habe ich zehn Eier von Hühnern gekauft, die zwar nicht glücklich auf dem Misthaufen sitzen können, dafür aber im warmen Stall gebären.

Als ich am nächsten Morgen mein Ei aß, kam mir das Bild eines frierenden Huhnes in den Sinn. Wie es da so schlotternd und zitternd neben dem Misthaufen sitzt… Die Federn aufgestellt vor Kälte, den Kopf ganz eingezogen… Gackernd, nein, klagend, ganz und gar nicht affektiert, die Lider zusammengekniffen und pressend.

Und dann sah ich mich selbst vor meinem inneren Auge: Wie ich da bei Temperaturen um den Gefrierpunkt neben dem Misthaufen kauern würde, und ein Kind hervorpressen. Ich ließ den Löffel sinken. Von nun an, so fasste ich den Entschluss, würde ich im Winter nur noch nach Eiern aus Bodenhaltung verlangen. Nicht, dass das Ei am Ende noch von einem unglücklichen Freiläufer stammt. Das wäre ja nicht zu verantworten!

Andererseits, dachte ich, zwischenzeitlich beim letzten Löffel angelangt, hat so ein Huhn ja nicht umsonst Federn. Und so ein Schneehuhn muss seine Eier schließlich auch bei Kälte legen. Und überhaupt: Auch eine Henne freut sich sicher über eine Herausforderung. Vielleicht überkommt sie ja nach dem Eilegen auf gefrorenem Boden gar ein besonderes Glücksgefühl über die eben vollendete Leistung. Vielleicht sogar mehr als im Sommer, wenn sie unter der brennenden Sonne auf dem staubigen Boden neben dem gärenden Misthaufen hockt und ächzend vor Hitze presst…

Und als ich die zertrümmerte Schale meines Frühstückseis eines verwöhnten Bodenhaltungshuhns schließlich in den Abfall warf, war ich bei der Überzeugung angelangt, dass ich eigentlich auch im Winter nach Eiern verlangen sollte, die in der kalten Natur hervorgepresst worden sind. - Sonst müsste ich ja im Sommer Eier von Hühnern erbitten, die im klimatisierten Stall ein Ei aus ihrem gekühlten Federleib hervorstoßen durften. Das ginge dann doch ein bisschen zu weit. Auch wenn’s um das Glück der Hennen geht.

Mein persönliches Hausarztmodell

Jetzt ist es auch mir passiert. So ein Mist. 25 Jahre bin ich alt, weiblich, kerngesund und gesetzlich kassenversichert. Auf die Gesundheitsreform habe ich bisher nicht geschimpft. Auch nicht auf die Unterschiede, die beim Arztbesuch gelegentlich zwischen Kassen- und Privatpatienten zu beobachten sind, nicht auf das Hausarztmodell und nicht auf ein West-Ost-Gefälle in unserer Republik (ich habe bis Herbst 2006 in München gelebt, wohne seither in einer 70000-Einwohner-Stadt in Mecklenburg-Vorpommern). Jetzt schimpfe ich umso lauter.

Angefangen hat es beim Badminton, als es in meinem rechten Knie hörbar krachte. Klare Sache, dachte ich: Da werde ich wohl zum Orthopäden gehen müssen. Aber mein Hausarzt war anderer Meinung, ruckelte ein wenig an meinem Bein, stellte fest, dass das rechte wärmer ist als das linke, und riet mir, es zu schonen. Ich sagte, dass sich die Haut an Schienbein und Fuß taub anfühle und meine Zehen ganz kalt seien. Das ignorierte mein Arzt. Wiederkommen solle ich erst, wenn’s in drei Wochen nicht besser sei. Dann müsse er eine Arthroskopie machen. Laienhaft ausgedrückt heißt das: aufschneiden. Anders könne man nämlich nicht ins Knie hineinsehen. Bis dahin könne ich ja ein Schmerzgel drauf schmieren.

Zweieinhalb Wochen später (ich hatte gesalbt und geschont) wachte ich nachts auf, weil das Knie höllisch schmerzte. Am nächsten Morgen rief ich beim Orthopäden an und bat die Sprechstundenhilfe um einen kurzfristigen Termin (die 10 Euro ohne Überweisung hätte ich ja gerne gezahlt). Nein, den könne sie mir nicht geben. Da müsse mich schon der Hausarzt überweisen. Also rief ich bei diesem an und bat die Dame am Telefon um eine Überweisung zum Orthopäden: nein, das könne sie nicht machen, da müsse ich schon nochmal vorbeikommen und beim Herrn Doktor vorsprechen. Ich sagte ihr, dass ich vor Schmerzen Tränen in den Augen hätte und wirklich, echt und ungelogen akute Schmerzen hätte und, bei allem Vertrauen in die Befähigung des Hausarztes, doch wirklich gerne einen Fachmann auf das Knie schauen lassen würde. Nein, nichts zu machen, ich müsste nochmal in die Sprechstunde.

Also ging ich zum Hausarzt. Nach einiger Zeit, während der ich im Wartezimmer gesessen hatte, rief mich die Schwester zu sich und gab mir eine Überweisung zum Orthopäden. Die habe sie ihrem Herrn Arzt eben “untergejubelt”.

Ich humpelte zum Orthopäden. Dort empfing mich die Sprechstundenhilfe mit: “Ja, also im März hätte ich da wieder was frei.” Akuter Notfall? Nein, also zur Zeit könne sie da wirklich nichts machen. Ich sagte, dann ginge ich jetzt in Krankenhaus (die Stadt hat nur ein Krankenhaus). Darauf sie: “Da nimmt man nur wirkliche Notfälle an. Hatten Sie gerade einen Unfall?” “Nein”, sagte ich, ehrlich wie ich bin, “vor zweieinhalb Wochen”. Und sie: “Dann nimmt man sie dort nicht auf. Aber probieren Sie’s doch mal bei dem anderen Orthopäden im Haus.” Machte ich. Fehlanzeige. Hinweis: Ich solle mir eine Überweisung zum Chirurgen holen.

Zurück beim Hausarzt wartete ich wieder. Dann untersuchte der mich, indem er wieder etwas an meinem Bein herumruckelte. Er stellte fest, dass das rechte Knie geschwollen, aber gut durchblutet sei, und gab mir eine Überweisung zum Chirurgen. Dort angekommen, sagte man mir: “Es ist zwölf Uhr, wir machen jetzt zu. Um drei Uhr können Sie wiederkommen.”

Um 16 Uhr wurde das Knie geröntgt, obwohl ich sagte, dass ich das unnötig fände. Der Chirurg sagte mir um 17 Uhr, dass nichts gebrochen sei. Ich solle ein MRT machen lassen, eine Magnet-Resonaz-Tomographie. Einen Termin würde ich aber frühestens nächste Woche bekommen. Bis dahin solle ich Schmerztabletten schlucken.

- Sprachlos? Ich auch.

Ich bin begrapscht worden!

So ein Ärgernis aber auch! Da macht mir doch tatsächlich mal jemand reichlich ungeniert den Hof und fasst mir flugs an den Hintern, und dann ist es eine Frau! Und auch noch eine, die mindestens 20 Jahre älter ist als ich…

Als ich meine Pobacke das erste Mal im Griff des fremden Weibes fühlte, dachte ich ja noch: Na, die wird mich wohl einfach auf die Eile der Zeit hinweisen wollen, weil sie mich (mit meinem halben Gesäß zwischen ihren Fingern), in einen Seminarraum schob. Aber als die Gute mir dann auch noch auf dem Weg zum Klo an den Allerwertesten fasste, da guckte ich dann doch reichlich verdattert… So irritiert war ich, dass ich mich erstmal aufs stille Örtchen gerettet und ganz schnell zugeschlossen habe.

Vielleicht sage ich nächstes Mal (eine umstehende Menschenmenge vorausgesetzt), wenn mir wieder ein Fremder, gleich ob Mann oder Frau, an den Hintern fasst, in Megafon-Lautstärke: “Entschuldigen Sie bitte, aber könnten sie ihre Hand freundlicherweise von meinem Arsch nehmen?!”

Getröstet hat mich dann ein Freund. Der meinte: “Keine Angst, mich haben die Männer auch früher angegraben. Das geht wieder vorbei, wenn du älter bist.” Da dachte ich: Na, dann ist ja gut. Und dann hat er noch gesagt: “Du hast zur Zeit wohl so’n Anne-Will-Flair.” Was will mir das nun wieder sagen?

Ist das nicht spannend???

Mein erster Blog, mein erster Blog!! Herrschaft, bin ich aufgeregt… Ab sofort bin ich ganz fürchterlich modern, postmodern, hypermodern. Wahnsinn… und das ausgerechnet von der Weltstadt Neubrandenburg aus…

Ach du Schreck: Mir kommt da gerade was: heißt es eigentlich “das” Blog oder “der” Blog?! Ich vermute mal, dass “der” Blog falsch ist - zumindest aus Sicht meiner hiesigen Freunde… Ich gehöre nämlich auch zu jener Spezies von Bundesbügern, die beharrlich “das” Cola bestellt. Zu blöd aber auch…

Mich versteht kein Mensch hier oben in Mecklenburg-Vorpommern, wenn ich mir “n Cola” bestelle. Aber wer versteht schon Leute, die aus Bayern kommen, solche wie mich eben… I kimm nämlich vo Minga her - also, pardon, aus München eben. Und wenn ich mich im August von Land und Leuten hier oben wieder verabschiede, dann… ja, dann… dann werde ich in Bayern mal ganz investigativ sein und einen Tag lang Kellnerin spielen. Und wehe, mir kommt da so ein Tourist unter, der sich einE Cola bestellt. Da werde ich dann meine Hände in die Hüften stützen, den Kopf schief legen, den Mund leicht öffnen, die Stirn in Falten ziehen und ein hochintelligentes “häääää?” äußern. Und wenn der Touri sich dann auch noch erdreisten sollte, nochmal einE Cola bestellen zu wollen, werd ich sagen: “Hamma ned!”. Was kann Rache doch süß sein :-)

Jaaaa… was schreibt man noch so in seinen ersten Blog? Vielleicht interessiert es die Weltöffentlichkeit ja, dass ich mir am Dienstag vor zwei Wochen beim Badmintonspielen das rechte Knie gestaucht und die zugehörigen Bänder gedehnt habe… Anfang der Woche war Ruhe im Gelenk, aber heute Nacht… jetzt tut’s wieder fürchterlich weh. WEH! Noch so was: Wenn ich sage, dass ich Schädelweh habe, lachen meine Freunde hier oben. Reizend. Genau das ist doch die Reaktion, die man sich erwartet… Also habe ich mir angewöhnt von Kopfschmerzen zu sprechen. Das ist preußischer - und Preußen dem Mecklenburg-Vorpommer näher als Bayern, versteht sich.

Jaaaa, was noch? …Das ist aber auch aufregend, die Sache mit dem ersten Blog… Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Zimmer unaufgeräumt ist, ich keine Milch mehr im Kühlschrank habe, meine Haare am Wochenende um vier Zentimeter kürzen lassen wollte, aber die Friseuse vier und zehn verwechselt hat, dass mein neues 15 Jahre altes Auto nun endlich fährt, mein Kfz-Mechaniker des Vertrauens einen jungen Hund hat, den ich am liebsten gleich in mein repariertes Auto gepackt hätte, meine Mitbewohnerin aber sagte, damit solle ich mal lieber warten, bis ich alleine wohnen würde, dass ich morgen nach Schwerin fahre, von dort aus nach Berlin und am Samstag nach Minga, pardon, München, fliege, und dass ich jetzt langsam los muss, zu meinem letzten Tag in der Sportredaktion.

Ja, na, dann, also: Tschüss, a wa: Servus!

P.S.: Ich hab nachgeschaut im Duden: Es heißt Blog, das, auch: der; -s, -s